Zu meiner rechten stand ein herausragend ausgearbeiteter Holztisch, dessen Darbietung dem Ganzen einen königlichen Hauch verlieh. Eine große Holzplatze, mindestens 15cm dick, natürlich gehalten und zugleich sonderbar gewachsen, lieferte die Grundlage für unser Abendmahl. Feinstes Besteck sowie Teller, Platten und Krug aus purem Gold lagen in perfekter Symmetrie angeordnet vor unseren Plätzen. Zudem erfüllten uns die herrlichsten Düfte exotischster Pflanzen, die in edlen Jadevasen verweilten.
„Doch was ist das?“, fragte ich mich verwundert in Gedanken. Auf den Tellern und Platten schienen sich verschiedene Saaten zu befinden.„Welchem Zweck dienen die Samen, Herr Violett?“
„Das sind unsere heutigen Speisen“, sagte er mit einer gewissen Überzeugung in seiner Stimme. Dennoch erschien es mir nach wie vor rätselhaft. Herr Violett vernahm meine Gedanken und fügte hinzu:
„Sieh genau hin, mein Sohn.“
Sogleich bewegten sich die Samen und wenige Momente später wuchsen Keimlinge aus Ihnen heraus. Sie wuchsen immer weiter und weiter, bis sich das entsprechende Nahrungsmittel zu erkennen gab. Eine ganze Fülle an Früchten, Getreide und Gemüse breitete sich auf der edlen Holzplatte aus. Sobald der Wachstumsprozess abgeschlossen war, begannen einige Nahrungsmittel in der Luft zu schweben, wurden von Zauberhand zerkleinert und mit anderen Zutaten vermischt. Nach und nach deckte sich der Tisch mit erlesenen Köstlichkeiten, wie ich sie zuvor noch nie erblickt hatte.
„Das ist fantastisch“, gab ich in höchster Freude kund, „einfach nur fantastisch! Ich muss gestehen Herr Violett, dieser Prozess erscheint mir als vollkommen natürlich, wenn es auch im ersten Moment wie Magie wirkt… und zudem kommt mir das alles sehr bekannt vor…“
Mit festem Blick schaute mir Herr Violett in die Augen und sagte dann:
„Die sog. Magie, fernab von illusionären Tricks, ist lediglich ein verzerrter Begriff für die Schöpferkraft, die in uns allen ruht. „Magisch“ mag den meisten Menschen im ersten Moment in den Sinn kommen, wenn sie Zeuge gewisser Prozesse sind, dabei ist „natürlich“ das wohl passendere Wort für jene schöpferischen Tätigkeiten. Diese von Gott gegebene Kraft wartet nur darauf erkannt und für den Aufbau verwendet zu werden!“
Ich konnte die Wahrhaftigkeit in seinen Worten spüren. Er fügte hinzu:
„Der Prozess ist dir sehr wohl bekannt Anandriel, du hast ihn lediglich vergessen. Doch die Zeit ist nun gekommen, da ich dich tiefer in die Lehren des Lichts einweihen darf. Dein innerer Entwicklungsstand gestattet mir, dir noch größere Hilfe zu gewähren, damit auch du die Meisterschaft über dein Selbst erlangst und somit in die ewige Freiheit zurückkehrst, die seit Anbeginn unser aller Geburtsrecht ist.“
Die Haare standen mir am ganzen Körper zu Berge. Gleichzeitig durchlief mich eine Energiewelle, die sich anfühlte als würden Millionen Elektronen von meinem Fuß bis hin zum Scheitel strömen. Sie regenerierten all meine Zellen in solch einer Intensität, dass ich mich augenblicklich erhoben fühlte. Mein Geist war völlig klar, die Kraft in meinem Körper unbeschreiblich präsent und die Harmonie in meinem Gemüt gänzlich verankert.
In diesem Zustand spürte ich keinerlei Bedürfnis nach Nahrung. Ich war mit allem versorgt und dachte sogar, überhaupt keine Nahrung mehr zu benötigen.
Nach ein paar Momenten verblasste dieser Zustand und ich verspürte plötzlich einen enormen Hunger. Lächelnd blickte Herr Violett zu mir und sagte:
„Du hast soeben einen kleinen Einblick in den Zustand des Erhobenseins bekommen. In der Tat, in diesem Bewusstseinszustand ist Nahrung nicht mehr von Bedarf. Die Zellen werden durch genügend göttliche Liebe mit reiner Elektronenkraft versorgt, dessen Energieausmaß kein Nahrungsmittel der Welt jemals erbringen könnte.
Doch nun lass uns speisen, Anandriel – speisen aus Gottes Küche!“
